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Juristische Familienberatung


Nach herkömmlichem Verständnis und konventioneller Sichtweise sieht das Rechtssystem keine juristische Familienberatung vor. Demgemäß ist das Berufsbild der Familienrechtler zum ganz überwiegenden Teil auf die Bereiche gerichtlicher Auseinandersetzungen konzentriert. Die klassische Familienberatung findet dagegen vorwiegend über die therapeutischen Berufe statt. Erste Ansätze zur Annäherung der Bereiche gibt es in der Mediation, die eine echte Alternative zum Rechtsweg dann bieten kann, wenn das Wissen und die Voraussetzungen beider Bereiche, des rechtlich Möglichen und des psychologisch Zumutbaren, berücksichtigt sind.

Trotz der solchermaßen umfänglichen professionellen Befassung und Dienstleistung fällt auf, dass es kaum einen gesellschaftlichen Problembereich gibt, der mit einer vergleichbar hohen Ineffizienz seiner Bemühungen konfrontiert wird. Die meist aufreibende und mühevolle Arbeit der Familienrechtler und Familientherapeuten scheint über die letzten Jahrzehnte keine tatsächliche Aufklärung bewirkt zu haben. Die juristischen Bemühungen um eine Verbesserung der Verfahrensweise gleichen eher Schönheitsoperationen zur Verbesserung der Oberflächenstruktur. Eine Befassung mit Hintergrund und Inhalt wird zumeist abgelehnt und dem Familientherapeuten zugewiesen.

Eine die Verhältnisse ändernde Entwicklung ist nicht in Sicht. Dies wäre auch nur dann der Fall, wenn die Blickrichtung sich ändern ließe. Solange Medizin, Psychologie und Recht für den Menschen erst dann sichtbar werden, wenn das Übel bereits zur akuten Gefahr für Körper, Ehe, Familie und Vermögen geworden ist, solange werden diese Professionen nur Schaden begrenzend wirken können.

Die Institution der Ehe und Kleinfamilie typisch deutschen Zuschnitts, wie sie noch bis in Nachkriegszeiten überlebt hat, wurde durch Tradition, religiöse Moral, durch überkommenes Ehr- und Pflichtgefühl und nicht zuletzt durch eine patriarchale Rollenverteilung zusammengehalten. Keinen dieser Begriffe mag man heute reflektieren, bietet aber andererseits auch keine neuen Modelle. Der Tenor der Zeit heißt vielmehr "Reine Liebe ist mit dem Leben unvereinbar" (so Paartherapeut Arnold Retzer im Gespräch mit der FAZ vom 20.08.2009) Wer wundert sich angesichts der solchermaßen totalen Verarmung der Herzen über den erfolglosen Einsatz derer, die es mit den Trümmern gescheiterter Hoffnung zu tun haben?

Es kann sehr wohl ein konstruktiver Ansatz sein, Streit in humorvolle Scheingefechte (mit "Clownsnase und Wasserpistole" so Retzer) verwandeln zu wollen. Dort, wo von vornherein die "geschäftliche" Seite der Verbindung überwiegt, mag auch an "Schuldscheine" gedacht werden dürfen.

All jenen aber, denen die Hoffnung auf die Realisierung der "Reinen Liebe" über das Eingehen einer Ehe und die Gründung einer Familie noch nicht abhanden gekommen ist, stehen noch andere Wege offen, auch jenseits therapeutischer Ansätze frühzeitig und vor der Entstehung gefährlicher Verhärtungen neue Anregung, Orientierung und Kraft zu finden.



Hier kann juristische Familienberatung eine echte Alternative bieten.

Die bekannten Bereiche der finalen gerichtlichen Auseinandersetzung einerseits und der Streitschlichtung durch Mediation andererseits, beschäftigen sich beide im ganz überwiegenden Maße mit schon gescheiterten Beziehungen. Die juristische Familienberatung vermag dagegen auch schon gegenwärtig problematische Umstände, die das Potential des Scheiterns bereits in sich tragen, sachlich zu entknoten. Wird auf diese Weise dem streitigen Umstand eine Klärung zuteil, können sich neue Perspektiven öffnen und die vorherig gegensätzlichen Positionen entspannen.

Hierbei erweist sich das juristisch geschulte Auge als hilfreich, objektive von subjektiven gegenseitigen Forderungen zu trennen und ihre Relevanz für eine konstruktive Lösung des Konflikts zu bewerten. Eine derartige Analyse kann z.B. bei Fragen des Umgangs mit gemeinsamen oder getrennten Vermögenswerten, oder auch z.B. hinsichtlich fraglicher Ansprüche heranwachsender oder erwachsener Kinder neue Horizonte öffnen.



Juristische Beratung erleichtert das Erkennen der eigenen Streitkultur und hilft bei der Reflektion über deren potentielle Verbesserbarkeit.

Juristische Familienberatung kann Brücken bauen zwischen den Generationen, indem sie eine für alle Familienmitglieder stimmige, rechtlich wasserfeste vorausschauende Planung erarbeiten hilft.

Juristische Familienberatung im Familienunternehmen schließlich kann die Besonderheiten der familiären Verknüpfungen bei den unternehmerischen Entscheidungen berücksichtigen.

Letztlich aber nicht abschließend kann juristische Familienberatung schließlich auch dabei helfen, allen Scheidungsopfern und Wiederholungstätern neuen Mut und neue Hoffnung auf die Realisierung einer neuen, beglückenden Ehe zu geben. Überall dort, wo bereits einmal ein großer Traum gestorben ist und wie sehr oft, Vermögen und Kinderglück mit in die Tiefe gerissen wurden, muss der Boden für einen neuen Start eine besondere Befestigung erhalten. Hinsichtlich der Sicherung von Vermögenswerten einerseits und der Klärung gegenseitiger Anspruchshaltungen andererseits wird ohne eine vertrauensvolle, juristische Beratung meist kein Mut aufgebracht, nochmals die Verwirklichung des Traums zu wagen.

Der Ehevertrag ist als Vorsorgemaßnahme die einzige wohlbekannte juristische Hilfe zur Regelung rechtlicher Fragen innerhalb der Ehe. Nahezu alle anderen üblicherweise anstehenden Kontakte mit dem Familienrecht betreffen bereits streitige oder schon gescheiterte Familienbeziehungen und bilden so nur allzu oft das letzte Mittel zum Zweck möglichst endgültiger Lösungen. Ähnlich verhält es sich bei der Mediation, für die es meist erst dann eine Einsicht und Bereitschaft gibt, wenn gemeinsame Wege schon nicht mehr beschritten werden.

Der Bereich der Vorsorge, der Vorsicht gegenüber dem eigenen Recht und dem des anderen, wird, soweit ersichtlich, allein von den therapeutischen Professionen bedient. Dabei bleiben all diejenigen ohne Unterstützung, die der psychologischen Hilfe nicht bedürfen und zu streitiger Auseinandersetzung keinen Anlass haben.



Juristische Familienberatung bietet eine sachliche, gegenwartsorientierte und gemeinsame Betrachtung der Rechte eines jeden einzelnen im juristischen Gespräch. Sie vermag zu neuen Einsichten und damit neuer Denkweise zu verhelfen. Alle bestehenden Ehen, in denen der Wunsch nach einer Vertiefung von Harmonie und Vertrauen besteht, können über die Begegnung mit den Themen Recht, Anspruch, Forderung, aber auch Schuld, Macht und Durchsetzung wertvolle Denkanreize erhalten, die sich unmittelbar anwenden lassen, sodass sich neue Weg öffnen und die Voraussetzungen für das Gelingen einer Ehe optimiert werden.

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